Neues vom Ministerium zu Notschlachtungen – Auch interessant für den Praktiker draußen!

Seit dem 24. Oktober 2017 gibt es einen neuen Erlass des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. In diesem Erlass wird der weitere Umgang mit Notschlachtungen genauer geregelt. Dies kann letztlich auch Auswirkungen auf den Praktiker draußen haben.

Kurz gefasst, was neu ist:

Für jedes einzelne Tier findet im Rahmen der Fleischuntersuchung eine Plausibilitätsprüfung statt, dessen Ergebnis nun auch in einem Zusatzdokument protokolliert und vom amtlichen Tierarzt unterschrieben werden muss. Stimmt die Diagnose/Verdachtsdiagnose nicht mit dem Ergebnis der Fleischuntersuchung überein, wird entweder das geschlachtete Tier bis Klärung vorläufig beschlagnahmt oder das Tier als „untauglich“ beurteilt. Weiterhin müssen die Befunde benannt werden, welche die Plausibilität fraglich erscheinen lassen.
Bedacht werden sollte dabei unbedingt, dass Symptome wie „Festliegen“ oder „Schwergeburt“ keine Diagnosen sind, also automatisch die Plausibilität fraglich erscheinen lassen!

Gleichzeitig neu ist, dass eine Liste geführt wird bzgl. „Erfassung fehlender Angaben Begleitscheine“, auf der unter anderem der Name des Tierarztes und seine Diagnose/Verdachtsdiagnose genannt wird. Dass das Ergebnis einer Fleischuntersuchung wohl einmal anders ausfallen kann, als in der Schlachttieruntersuchung angenommen, ist jedem klar. Keiner kann in ein Tier hineinschauen und nicht jede Diagnose ist offensichtlich. Fällt hier aber ein Tierarzt in der Liste über das Jahr öfter auf, ist der Verdacht auf Ausstellung von falschen Gutachten schnell da.

Da Notschlachtungen eine besondere Organisation und Maßnahmen erfordern, sollen diese im Rahmen des HACCP-basierten betrieblichen Eigenkontrollsystems beschrieben, praktiziert und auch dokumentiert werden. Die Verifizierung erfolgt dann durch die amtliche Überwachung. Hierfür gibt es eine „Checkliste zur Auditierung des Eigenkontrollsystems in Schlachtbetrieben mit Notschlachtung“.
Ebenfalls hinzugekommen ist die „Checkliste Tierschutz“, die auch klar die Verantwortlichkeiten regelt, wer für die Einhaltung des Tierschutzes zuständig ist, Sachkundenachweise werden überprüft, Betäubungsverfahren, Kontrolle der Einschusslöcher, Betäubungskontrollen, Schulungen, ebenso wie die Überprüfung der ordnungsgemäßen Dokumentation (Dokumentation der Dokumentation) und viele weitere Punkte.

Da es immer wieder zu Problemen mit der Einordnung Notschlachtung versus Krankschlachtung gibt, hat das Ministerium seinem Schreiben eine Entscheidungshilfe beigelegt.

Notschlachtung:
Knochenbruch
Riss von Muskulatur, Sehne
Ausgekugeltes Gelenk
Große, offene oder stark blutende Wunde
Traumatisch entstandene Nervenschädigung

Im Einzelfall (Entscheidung Tierarzt)
Drehung/Verlagerung/Verschluss von Magen-Darmteilen oder der Gebärmutter
Schlundverstopfung

Krankschlachtung (verboten!!!)
z.B. Fieber, Blutvergiftung, Infektionskrankheiten, Abmagerung bis Kachexie, Labmagengeschwüre, Durchfall, Milchfieber, Leberschaden, Fremdkörpererkrankung, Bauch-/Brustfellentzündungen, nicht traumatische Nervenschädigungen, Vergiftungen, Altersschwäche

Dr. Uta Seiwald
Ausschuss für Lebensmittel und Fleischhygiene



Anlagen:
- Erlass Notschlachtung
- Anlage 1 - Zusatzdokument Plausibilität
- Anlage 2 - Diagnosetabelle
- Anlage 3 - Checkliste Notschlachtung
- Anlage 4 - Checkliste Tierschutz
- Anlage 5 - Erfassung fehlender Angaben Begleitscheine
- Anlage 6 - Plausibilität der Diagnosen





Veröffentlicht am:
12:12:00 23.11.2017 von Tierärztekammer Niedersachsen - Administrator