Keine Einigung beim Thema Ferkelkastration

(Rundbrief BTK)- Vom 01.01.2019 an sollte das betäubungslose Kastrieren von Ferkeln verboten sein. Doch die Koalitionsfraktionen von Union und SPD wollen eine Fraktionsinitiative auf den Weg bringen, die die laufende Übergangsfrist um weitere 2 Jahre verlängern soll – und das, obwohl zuvor im Bundesrat alle Anträge zur Fristverlängerung abgelehnt wurden. Am 08./09.11.2018 soll es laut SPD-Fraktion dazu voraussichtlich eine Lesung im Bundestag geben. Das Bundeslandwirtschaftsministerium will eigenen Angaben zufolge eine Verordnung vorlegen, mit der es den Landwirten ermöglicht wird, nach Sachkundenachweis die Isofluran-Betäubung durchzuführen.

Aufgrund der Ergebnisse eines Fachgesprächs der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen steht inzwischen die Vermutung im Raum, dass eine Fristverlängerung verfassungswidrig wäre, da Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung stehen. Den „4. Weg“ hält die Bundestierärztekammer (BTK) nach jetzigem Stand der Wissenschaft und gemessen am Ziel, den Tierschutz zu verbessern, von allen diskutierten Alternativen für keine gangbare Alternative. Eine Änderung des Tierschutzgesetzes, in der der Begriff „Schmerzausschaltung“ durch den Begriff „Schmerzminderung“ ersetzt würde, um die Lokalanästhesie durch die Landwirte zu ermöglichen, wäre inakzeptabel.

Einwände gegen die Immunokastration hält das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für unbegründet. Denn aus Sicht des wissenschaftlichen Tierschutzes stelle dieses Verfahren die mit ‧Abstand beste Alternative zur betäubungslosen Kastration dar. Der Impfstoff sei im Hinblick auf die Lebensmittelsicherheit  unbedenklich. Beim Fleisch geimpfter Tiere handele es sich auch nicht um „Hormonfleisch“. Zwar werde mit der Impfung in den Hormonhaushalt der Tiere eingegriffen; dies passiere jedoch bei jeder Form der Kastration. Unter Kostengesichtspunkten weise die Immunokastration Vorteile gegenüber anderen  Alternativen auf, weil geimpfte Tiere eine bessere Zunahme und Futterverwertung zeigten als chirurgisch kastrierte Tiere.




Veröffentlicht am:
14:28:00 24.10.2018 von Tierärztekammer Niedersachsen - Administrator