In den letzten Monaten haben wieder zahlreiche junge Menschen in den Tierarztpraxen die Ausbildung zum/zur Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) begonnen. Mit viel Engagement, Freude und Spannung beginnen sie ihren beruflichen Lebensweg. Wir, die Tierärztinnen und Tierärzte verpflichten uns, eine gute Ausbildung anzubieten und übernehmen Verantwortung für die Entwicklung dieser jungen Menschen.

Zu Beginn des Arbeitsverhältnisses wird ein Ausbildungsvertrag abgeschlossen, der den Ablauf der Ausbildung für beide Parteien verpflichtend festhält. Dieser Vertrag regelt in den § 2 und § 3 die Rechte und Pflichten des/der ausbildenden Tierärzt:in und der/des Auszubildenden (AZUBI). Auf die Anzeige an die Kammer, eine/n Auszubildende/n einstellen zu wollen, erhält der Ausbildungsbetrieb neben den Ausbildungsvertragsvorlagen die “Richtlinien über die Voraussetzungen für die Ausbildung von TFA“. Mit der Unterschrift unter dem Ausbildungsvertrag und diesen Richtlinien verpflichtet sich der/die Ausbilder:in zur Einhaltung der aufgeführten Voraussetzungen. Zitat aus den Richtlinien: “Ich bestätige, dass ich die vorgenannten Voraussetzungen erfülle. Mir ist bekannt, dass der/die Ausbildungsberater:in und die Tierärztekammer den Ausbildungsbetrieb überwachen und bei Verstößen der Entzug der Ausbildungsbefugnis erfolgen kann, wobei ich für die weitere ordnungsgemäße Beendigung des Ausbildungsverhältnisses zu sorgen habe.”

Mit dem Start eines Ausbildungsverhältnisses und im Verlauf der Ausbildung von drei bzw. zwei (auf Antrag verkürzt) Jahren gibt es immer wieder Fragen und Probleme und es wird die Hilfe der/des Ausbildungsberater:in oder auch eine juristische Meinung der Tierärztekammer verlangt. Ich gehe, als von der Kammer eingesetzter Berufsausbildungsberater, in den ersten Monaten des Schuljahres in die neuen Klassen und stelle mich als Ansprechpartner vor. Dabei weise ich auf verschiedene Rechte, Pflichten und Erfahrungen aus vergangenen Jahren hin und fordere die AZUBI auf, mich bei Fragen und Problemen anzusprechen. Des Weiteren bin ich als Berufsausbildungsberater auch für die ausbildenden Tierärzt:innen bei Fragen und Sorgen zuständig und soweit möglich, gerne bereit zu helfen.

Bei meinen Besuchen in der Berufsschule habe ich nun feststellen müssen, dass doch Einiges von dem, was von einer Ausbildungspraxis verlangt und vorausgesetzt wird, zu einem sehr großen Teil nicht umgesetzt ist.

Da ist zunächst einmal der individuell für die/den Auszubildende/n zu erstellende betriebliche Ausbildungsplan. Unter Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplans der Ausbildungsordnung für TFA (AO-TFA) ist die Ausbildungspraxis verpflichtet, einen individuellen Plan für den/die Mitarbeiter:in zu erarbeiten. Eine Vorlage, die im Internet als Kopiervorlage der Tierärztekammer Niedersachsen § 6 AO-TFA gespeichert ist, kann heruntergeladen werden. Der Ausbildungsplan ist Bestandteil des Berufsbildungsvertrages und der Tierärztekammer und der/dem Berufsausbildungsberater/in auf Anforderung vorzulegen. Dieser Ausbildungsplan ist in den meisten Praxen bisher leider nicht vorhanden, was in Zukunft zu überprüfen ist!

Ein leider immer wieder auftretender Grund als Berufsausbildungsberater tätig zu werden, sind die häufigen Beschwerden unserer Auszubildenden zu ihren Arbeitszeiten. Jeder, der in einer Tierarztpraxis tätig ist, weiß, dass er sich mit Freunden/innen nicht vergleichen kann und darf, die z. B. in einer Behörde oder Bank arbeiten. Die Tierarztpraxis ist ein Dienstleistungsbetrieb und hat auch mit Notfällen zu tun, das lässt sich nun mal nicht auf genaue Zeiten festlegen. Aber es gibt ein Arbeitszeitgesetz und es steht im Ausbildungsvertrag wie die Arbeitszeit, der Schulbesuch und der Urlaub geregelt sind. Und neuerdings gibt es auch eine gesetzliche Pflicht zur Erfassung der Arbeitszeit. Das bedeutet, dass die gesamte Arbeitszeit durch eine Stechuhr, eine Software oder schriftlich dokumentiert werden muss.

Die TFA werden im dualen System ausgebildet, das heißt in der Praxis und in der Schule. Für die Schule brauchen unsere AZUBI u. a. ein Lehrbuch. Dieses Lehrbuch hat die Ausbildungspraxis zur Verfügung zu stellen.
Wir stehen noch im Anfang des Ausbildungsjahres. Leider haben wir in jedem Jahr einige junge Menschen, die die Ausbildung wieder abbrechen. Manchmal hat man ein falsches Bild von dem Beruf, manchmal stimmt die Chemie zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht und manchmal bekommt man noch den ersehnten Studienplatz. Allerdings haben beide Seiten einen Vertrag abgeschlossen und der beinhaltet eine Probezeit. Diese Zeit ist genau festgelegt und beträgt in der Regel vier Monate, danach ist eine Kündigung an enorme Bedingungen geknüpft. Daher ist es sicherlich sehr wichtig, sich in der Probezeit klar zu werden, ob man den richtigen Beruf gewählt hat bzw. der Ausbildungsbetrieb den richtigen Menschen für die Ausbildung zur/zum TFA eingestellt hat.

Zum Schluss möchte ich noch einen ganz persönlichen Wunsch an die Kolleginnen und Kollegen richten: Seit Jahren bin ich mit unseren Politikern im Gespräch und frage nach einem “Schüler-Ticket” auch für Berufsschüler oder einem Zuschuss für Fahrtkosten. Leider hat auch die alte Regierung in Niedersachsen dieses nicht umgesetzt. In unserem Flächenstaat Niedersachsen, aber natürlich in jedem anderen Bundesland auch, gibt es flächenmäßig verteilt Berufsschulstandorte. Bei uns sind Schulwege bis zu 100 km möglich und es kommen sogar Schüler von Inseln. Ich möchte daher die Ausbildungsbetriebe und die Kolleginnen und Kollegen sehr herzlich bitten, ihren Auszubildenden einen Zuschuss, einen Benzingutschein oder Ähnliches zu gewähren. Das Gehalt unserer AZUBI ist zwar seit Oktober etwas gestiegen aber immer noch recht bescheiden.
Bitte laden Sie sich auch das „Merkblatt für Personen, die zur Ausbildung von Tiermedizinischen Fachangestellten beitragen“ von 2020 von der Homepage der Tierärztekammer Niedersachsen herunter. Hier finden Sie noch einmal alle wichtigen Informationen zusammengefasst.

Uns Tierärztinnen und Tierärzten muss es als Arbeitgeber:innen ein Bedürfnis sein, unsere jungen Mitarbeiter:innen so auszubilden und auszustatten, dass sie nach innen und nach außen unsere Praxis optimal vertreten. Unsere Mitarbeiter:innen sind unser Aushängeschild und ein wertvolles Gut, sie sind noch formbar und wir haben die Pflicht und die Verantwortung für diese jungen Menschen.

Dr. Klaus-Peter Vick, Oldenburg
Fachtierarzt für Kleintiere
Berufsausbildungsberater der Tierärztekammer Niedersachsen